kolumne von irène hubschmid: buchrezensionen, veröffentlicht auf www.innerschweizonline.ch und www.bochumer-zeitung.net

irène hubschmid

Zürich liest.

Dieses viertägige Literaturfestival findet jedes Jahr in Zürich und Winterthur statt, Ende Oktober.

Der Besuch einer Lesung des kleinen, renommierten Römerhofverlags / Leitung: Anne Rüffer, Gitti Hug, bestätigte mir, dass der Mensch nach wie vor Bücher liebt und liest. Im vollbesetzten Raum – immer wieder musste Frau Rüffer Stühle heranschleppen –, teils folgten einige Besucher stehend der der Veranstaltung. Eine Lektorin und ein Lektor des Verlages schilderten Einzelheiten aus ihrer Tätigkeit. Die Lektorin erklärte, es sei nicht leicht die Auswahl unter den eingereichten Manuskripten zu treffen. Ein gutes Einvernehmen mit dem Autor/Autorin sei unerlässlich, um Änderungen, Korrekturen und Vorschläge abzustimmen.

Mit den zwei anwesenden Autoren hat der Verlag jedenfalls zwei Buch-Pralinen publiziert.

Susanne Gigers Buch: Hans Vontobel, Bankier-Patron-Zeitzeuge.

„Der inzwischen 95-jährige Patron der renommierten Schweizer Bank Vontobel blickt auf sein bewegtes Leben zurück. Er erzählt von prägenden Erfahrungen aus seinem Berufs- und Privatleben und macht klar, was einen Bankier von einem Banker unterscheidet.“

Frau Giger sprach von ihrer Überzeugungsarbeit, Herrn Vontobel zu überreden, sein langes, vielfältiges Leben zwischen zwei Buchdeckeln festzuhalten. Seinen Widerstand zu dämmen, der da lautete: „Man kommt auf die Welt und geht von dieser, da braucht es kein Buch.“ Doch ihre Hartnäckigkeit hat sich gelohnt, wie die vorgetragenen Passagen aus ihrem Werk zeigten: Vontobelseidank, dass er dem Leser seine Gedanken schenkt.

Die zweite Buch-Praline heisst: Swiss Paradise, ein autobiografischer Bericht von Rolf Lyssy.

Klappentext

Intensiv setzt sich Rolf Lyssy mit seiner jüdischen Herkunft, seiner Arbeit und seiner Art, die Welt zu sehen, auseinander. Es wird ein Prozess autobiografischer Selbstbestimmung, der durch den Terror unvermeidlicher Schmerzen und die Mutproben der Selbstkritik geht, um am Ende zum Lachen und zu gelassener Heiterkeit zurückzufinden.

1. Auflage: 2001.

Mittlerweile ist aus Swiss Paradise ein Longseller geworden. Absolut lesenswert.

Zürich liest „nicht“.

Eine Lesung, die leider nicht stattfand, hätte am 30. Oktober 2012 im Cabaret Voltaire abgehalten werden sollen. Angekündigt war das Buch: „Zürich – Eine Stadt in Biographien.“ Autor: Michael Schwelien.

Daher erfolgte meine private Lektüre dieses Buches.

Zürich wird nicht von Gebäuden und Strassenzügen geprägt, sondern in erster Linie von den Menschen, die dort leben und arbeiten.

Was wäre Zürich ohne Hugo Ball, München ohne Karl Valentin, Dublin ohne Arthur Guiness und Prag ohne Franz Kafka? Sie alle prägten die Metropolen auf ihre ganz eigene Weise und beeinflussen noch heute das Flair der Städte.

Die Buchreihe „MERIAN porträts – Eine Stadt in Biographien“ stellt die schönsten Metropolen anhand ihrer berühmten Bewohner vor. Jeder Band führt auf die Spuren von 20 prominenten Persönlichkeiten durch die Stadt. Wir begegnen gewieften Politikern, wilden Gräfinnen, genialen Künstlern und charismatischen Helden.“

Das vorliegenden Lesebändchen MERIAN porträts, herausgegeben im Verlag TRAVEL HOUSE MEDIA GmbH, umfasst Porträts von Zürich: Rudolf Brun, Ulrich Zwingli, Johann Heinrich Pestalozzi, Georg Büchner, Richard Wagner, Alfred Escher, Gottfried Keller, Johanna Spyri, Wilhelm Conrad Röntgen, Albert Einstein, James Joyce, Hugo Ball, Erika Mann, Max Bill, Rolf Liebermann, Max Frisch, Daniel Keel, Hugo Loetscher, Bruno Ganz. MERIAN porträts ist die neue Reihe belletristischer Reiseführer.

Mit dem farbenfrohen Leineneinband richtet sich das Buch an alle, die nicht nur Zürich, sondern auch schöne Bücher lieben.

Sehr spannend und informativ erzählt der Autor über die Persönlichkeiten. Zuweilen musste ich, die in Zürich lebende Rezensentin, ein Auge zudrücken ob der gängigen Klischees betreff Bankenstadt oder Kronenhalle, die Bahnhofstrasse „Luxusmeile“ (als ob es nicht in jeder Metropole ein solche gäbe). Etwas stört: Züricher! Man sagt Zürcher sonst würde man die Bewohner des Kantons Uri nicht Urner nennen sondern Uriner! Aber alles in allem eignet sich das Buch auch als kleines, informatives Mitbringsel für reisefreudige Freunde oder als Weihnachtspräsent.

Eine Lesung ausserhalb von „Zürich liest“ im Kaufleutensaal in Zürich, am 3. November 2012

Wolf Haas stellte seinen neuen Roman „Verteidigung der Missionarsstellung“ vor.

Dieser österreichische Autor ist offenbar eine Kultfigur bei den jugendlichen Lesern. Der Mann neben mir schaute jedenfalls ganz verzückt, mit offenem Mund zur Bühne hoch, als ob dort sein Guru seine Show abzöge.

Wortspiele in Ehren, aber diejenigen im Buch, welche die meisten Lacher einheimsten, erzeugten bei mir nur ein müdes Grinsen. Eines ist sicher, der Autor versteht das Schreiben, doch der Inhalt des Buches ging mir nicht unter die Haut.

Wäre ich Zauberin und könnte die vier Bücher in Edelsteine verwandeln, würde ich die zwei erst genannten in Edelkristalle, das dritte in einen Bergkristall und das vierte in einen Swarovski-Kristall verzaubern.

Irène Hubschmid

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kolumne veröffentlicht auf www.innerschweizonline.ch und auf www.bochumer-zeitung.net

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