Fünf nach acht im Lindengarten Zürich am 26. Oktober 2016 , besucht von Irène Hubschmid & Ruth Schiesser

Haus zum Lindengarten Zürich

Haus zum Lindengarten Zürich

Besetzung und Programm:

Solo für Ansi: Bertolt Brecht (1898-1956) Dreigroschenoper, gespielt und gesungen von Ansi Verwey.

 

Elisabeth Hauptmann hat die »Beggar‘s Opera« von John Gay aus dem Jahre 1728 ins Deutsche übersetzt. Auf dieser Grundlage erarbeiteten Bertolt Brecht und Kurt Weill »Die Dreigroschenoper«, die Brechts größter Theatererfolg überhaupt wurde. Brecht traf das Lebensgefühl der von Desillusion und Vergnügungssucht geprägten späten 20er Jahre, in dem er die Doppelmoral der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft an den Pranger stellte.

 

Quelle:  Die Dreigroschenenoper – Bertolt Brecht – Inhaltsangabe

https://www.inhaltsangabe.de/brecht/dreigroschenoper

 

Ansi Verwey

Ansi Verwey

Ansi Verwey ist Studienleiterin am Theater Basel und macht dort legendäre Einzelveranstaltungen und Spielzeitresumées unter dem Titel „Avec Ansi“. Wichtige Stationen davor waren unter anderen die Opernhäuser von Frankfurt, Stuttgart und das Radio. Daneben ist sie eine veritable Weltrekordhalterin(Im Dezember 2003 wurde sie im Guinness Book of World Records als Weltrekordhalterin im Dauerklavierspielen eingetragen: 52 Stunden 59 Minuten mit Werken von Johann Sebastian Bach und Richard Wagner).

Rezension: Im Lindengarten finden im 4. Stock Konzerte statt. Dies im intimen Kreise mit charmantem Dachstockambiente. Bedauerlicherweise die letzte Saison. Die Schauspielerin und Sängerin sagte dazu:

“ Früher spielten die Komponisten immer im kleinen Kreise im Salon oder im Wohnzimmer.“

Ja, es ist eine Oper für Bettler sagt Ansi und präsentiert dieses spätbarocke Stück mit acht Bildern in unterschiedlichen Facetten wie Sprache, Gesang und Gestik. Sie hat ein fabelhaftes Temperament. Sie schilderte in einer Kurzfassung den Werdegang der beiden skrupellosen Geschäftsmänner, dies in geschäftlicher und familiärer Hinsich. Da es sich zur viktorianischen Zeit abspielte und Traditionen wie Ruhm und Gewandtheit, vorwiegend in der männlichen Gesellschaft, ergaben sich spektakuläre, skurrile und aufregende Situationen wie Missverständnisse. Ein Potpourri der Dreigroschenoper. Die Seeräuber/Jenny Song hätte man gerne ganz gehört. Ansi spielte auf einem Bechstein-Flügel aus dem Jahre 1927, die Dreigroschenoper wurde 1928 uraufgeführt, also erst ein Jahr später. Dabei betonte die Protagonistin, dass Weill viele Tanzstile hatte und sie spielte einige davon und animierte das Publikum zum Tanzen, was natürlich niemand tat!

Es manifestierten sich viele Gefühle in der 3 Penny Opera, wie z.B. hochtrabende, bereichernde, täuschende, herzlos/verzweifelnde, versöhnende und herzzerreisende. Unendliche Variationen zwischen Show, Fantasie und Traum. Ein Bild, ausgestrahlt von der Bühne bis hinunter in die wahre Realität. Dies hinterlässt durch diese kulturelle Wiedergabe Denkanstösse und die Kernfrage, ob diese Arrangements reichen zu einer Lebenszufriedenheit. Zum Zuge kommt hier eindeutig die grosse spielerische Opernvielfalt und verliert manchmal so die eher genormte gesellschaftliche Bodenhaftung/Lebensvorstellung.

Grosser Applaus. Sie gab noch zwei Zugaben. Eine Ballade, welche, in der Endfassung, aus der Dreigroschenoper gestrichen wurde: „Die sexuelle Hörigkeit“, und der Trauermarsch von Wagner. Verwey ist eine grosse Verehrerin von Wagner.

Anschliessend wurden die Besucher zu einem Apéro eingeladen.

Wir wünschen dem Lindengarten-Team viel Glück für das Finden einer neuen Lokalität.

Text: www.irenehubschmid.ch  und Ruth Schiesser

Fotos: www.lindengarten.ch

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